Teresa Riccardi

Ein Interesse + eine Stimme + eine schreibende Hand

Was ist mit Ausdehnung als Effekt – als Wirkung – gemeint? Handelt es sich um eine Gemeinschaft? Hat es mit Tauschgeschäften, Darlehen, Kosten und Zinsen/Interessen zu tun? Oder ist es das „Machen“, das in einer gemeinsamen Ausdehnung drei Personen als Vorwand zum Üben dient: dem Schaffen von Kunst? Wenngleich wir diesen Koeffizienten oder gemeinsamen Nenner nicht kennen und wahrscheinlich auch die Kunst nicht beachten, so sind wir uns doch alle einig, dass reden und fiktionalisieren das einzig mögliche Werkzeug für dieses „Unvernehmen“[1] bilden.
Ging es bereits um die Gründung einer Agentur für Budgets („Agência de Orçamentos“) im Falle Traplevs[2] oder um das Addieren von aufgestapelter Zukunft oder angehäuftem Stieleis („picolés cremosos“), um die Ablichtung des Mosaiks der Erfahrungen eines Lebens (Raquel Stolf) oder um die Beschreibung der Verästelungen des Sinnlichen sowie seiner möglichen Verflechtungen (in meinem Fall, in Anlehnung an Rancière und Vaudray), so haben wir die Kalkulation/das nüchterne Interesse, die Kosten und die Arbeit zu zentralen Bestandteilen deklariert, um uns zusammen einer gewissen Spekulation hinzugeben. Dies beides zu entziffern käme dem „Gemeinsamen“ in unserer jeweiligen Praxis gleich, so wie im Unvernehmen dasjenige sichtbar wird, das wir nach aussen kehren, wenn wir davon ausgehen, die gleiche Sprache zu sprechen. Ohne sprachliche Redundanz lassen sich die feinen Schattierungen bei einem Anderen nicht verstehen und ohne miteinander zu reden wird Verständnis zu schierer Unmöglichkeit.
Ich glaube, dass dies vielleicht das kompulsive Bedürfnis von Roberto Moreira Junior/Traplev, selbst das Unsagbare zu übersetzen, erklärt. Was ist ein persönliches Interesse? schreibt er und fragt er sich – und wahrscheinlich auch uns – oder, im Sinne Raquel Stolfs: Wie addiert man die Zukunft ausgehend von einer Insel, die im Montgomery direkt zur Schau steht? Vielleicht kann sie ihr Stieleis nicht hören, erfindet andernorts die Formen zeitgenössischer Arbeit (nicht nur in der Kunst) während sie aus der Ferne die geographischen Resonanzen eines Tons aufnimmt, der an einer gemeinsamen, obgleich ihr nicht bekannten, Ausdehnung widerhallt. Und auf eine Wirkung verweist.
In einer feinsinnigen Politik (die wir uns sicher vorstellen und zu der wir abweichende Meinungen vertreten) bedeutet verwalten die Entscheidung über das, was man sieht und was man sagt, zusammen mit den davon bestimmten Wirkungen und Ausdehnungen. Aber da es hier nicht oder zumindest nicht vordergründig um Politik geht, müssen wir zwischenzeitlich voraussetzen, dass das Praktizieren, Vollführen, Einüben, Benennen, Erklären und Beschreiben der Ausdehnung die Form ist, die wir gefunden haben, um die fiktionale Darstellung eines Stimmenaustauschs auf konzeptioneller, visueller und materieller Ebene zu ermöglichen und einen Horizont des Möglichen aufzurollen, wenn letzendlich auch nur eine einzige Möglichkeit konkret in Erscheinung tritt, vorerst in diesem Raum 3.
Die Möglichkeit, über die Fiktion zu einer Antwort zu gelangen, ist meines Erachtens unwahrscheinlich, aber zweifellos erlaubt sie es, spekulativ mit der Sicherheit umzugehen. Ein Ergebnis im Rahmen fester Grenzen zu kalkulieren trennt auch die Empfindsamen voneinander, wobei die Kalkulation nicht unbedingt in ihrem Universum angesiedelt ist. Die Kosten sind immer eine wirksame Größe für uns, vielleicht am eindeutigsten für Traplev, (der „La part maudite“ von Gerorges Bataille ohne „Verschwendung“ liest), und die nüchterne Überlegung ist ein Effekt – eine Wirkung –, die wir stets zu zeigen beschlossen haben. In der Widersprüchlichkeit des Realen erscheint etwas als real, die anderen Empfindsamkeiten, die dort auftauchen, sind vielleicht fiktionaler Natur. Ich glaube, dass wir weder eine akephale Geheimgesellschaft (Bataille) noch eine uneingestehbare Gemeinschaft (Blanchot) sind. In Wirklichkeit geht es um Souveranität, ich denke wir sind vielleicht eine von Effekten und Affekten geleitete Gemeinschaft, und zwar immer wenn die Poesie als Mittlerin, als gleichbleibende Temperatur, wie im Boyle’schen Gesetz, auftritt.
Gelegentlich verwandeln Traplev, Raquel und ich die Ausdehnung in die sichtbare Form einer von unserem jeweiligen Kunstverständnis geprägten Gemeinschaft unter der Wirkung des Drucks. Doch ohne Zweifel ist die Ausdehnung nicht nur geografischer, materieller, textueller oder asymetrischer Natur, sondern sie gehört in den Bereich der prekären Erkennbarkeit von aus Pappe und farbigen Papierausschnitten hergestellten Rechenmaschinen, von handgeschriebenen oder maschinengeschriebenen Texten in einem absurden semantischen Spiel, das entsteht durch Bürographiken und Verwaltungsbürokratien (selbst die Steine aus dem Rhein werden von Gummibändern zusammengehalten), die eine fiktive Geschichte erzählen und der Poesie die Form einer Affirmation, einer kritischen Ästhetik gegenüber der „Verausgabung“ verleihen.
Auf einem Gebiet, auf dem das sichtbare Gefüge die Formen der biologischen Macht und des Konsumverhaltens der Akteure widerspiegelt, geben Traplev und Stolf gewissermaßen die Wirkung des auf die Sensibilität ausgeübten Drucks zurück, um das zeitgleich verlaufende Leben in verschiedenen Gemeinschaften und in der Ausdehnung andernorts zu schildern. Die erlangte Ausdehnung zur Vermeidung von Anästhesie, von Hypertrophie, schlägt sich nieder in einer gemeinsamen Distanz, die nicht unmittelbar auf den Konsum zurückgreift, auch wenn dieser sich darbietet als etwas, das uns unter Kunstprozessen und -praktiken der Gegenwart wohl bekannt ist.

Buenos Aires, 2009

Aus dem Spanischen/Portugiesischen
von Sarita Brandt[1] In der Philosophie Rancières bedeutet „Unvernehmen“ nicht der Unterschied zwischen Gegensätzen, sondern das scheinbar gleiche Verständnis von etwas, auch wenn die Sprechenden darunter jeweils etwas Abweichendes verstehen. Siehe Jacques Rancière, Das Unvernehmen: Politik und Philosophie, Suhrkamp, 2008.
[2] Traplev ist der Name, unter dem Roberto Moreira Junior einige seiner Kunstprojekte veröffentlicht hat.

Um Interesse + uma voz + uma mao que escreve.
Teresa Riccardi

O que queria dizer a “extensão como efeito” ? Se trataria de uma comunidade? Ou seria a atividade de
intercâmbios, empréstimos, gastos e interesses? Seria o “Fazer” que tres pessoas exercitavão como pretexto, em uma extensão comum: a prática de arte? Ainda desconhecendo esse coeficiente ou comum denominador, e provavelmente ignorando também a arte, creio que todos concordamos que falar e ficcionalizar, era a única ferramenta possível para o desacordo.
Já tratava-se de criar uma agência de orçamentos (Traplev) , ou somar pilhas de futuros, picolés, fotografar pedrinhas de uma experiencia vivida (Stolf), ou escrever sobre as distribuições do sensível e seus possíveis entrometimentos (em meu caso, tomando a Ranciére e Vauday emprestados), fazíamos do cálculo, o gasto e o trabalho, as peças centrais para especular algo juntos. Decifrar um e outro seria ver entre nós o que restava de “comum” em nossas práticas para cada um, assim como no “desacordo” ver o que estamos expostos quando cremos estar falando o mesmo idioma. Sem a redundancia da linguagem, matices do outro nao se compreendem, sem falarmos, menos ainda.
Creio que, talvez isso explicaria em algo a necessidade compulsiva de Traplev de traduzir até o inefável. O que é um interesse pessoal? Escreve e se pergunta e provavelmente nos pergunte também, ou como pensa Stolf, como se soma o futuro, desde uma ilha que se expõe logo no Montgomery? Talvez ela nao possa escutar seus picolés, deslocada, inventa as formas de trabalho contemporaneo (nao só da arte), enquanto que a distancia ouve as ressonancias geográficas de um som lançado a uma extensão comúm apesar de desconhecida para ela. Adverte um efeito. Em uma política sensível (que seguramente imaginamos e felizmente discordamos), administrar é decidir o que se ve e o que se disse, com os efeitos e extensões que ela designa. Mas como isto não é política, ou ao menos não explicitamente, devemos supor que no caminho: praticar, fazer, ensaiar, dizer, explicar e escrever a “extensão”, é um modo que encontramos para explicarmos a ficção de um intercambio de vozes, de algo conceitual, visual e material que nos fez ver um horizonte de possibilidades apesar de finalmente, um só de eles que esteja, no que se mostra, por agora nesta “sala 3”. Penso que a probabilidade de que a ficção nos de uma resposta, é impossível, mas seguramente permite a especulação da certeza. Calcular um resultado que tem limites precisos também divide os sensíveis apesar do mesmo cálculo nao vir só desse universo. O gasto sempre é um conceito eficaz para nós, talvez mais claramente para Traplev (que anda lendo Bataille “La part maudite” sem desperdício), e o cálculo é um efeito que elegemos mostrar cada vez. Na contradição do real, existem talvez outros sensiveis de ordem ficcional. Nao creio que sejamos nem uma comunidade acéfala (Bataille), nem inconfessável (Blanchot), mas sim de soberania se trata, creio que seriamos uma comunidade regulada pelos efeitos e situações, sempre e quando medie a poesia como temperatura constante, como na lei de Boyle.
Ocasionalmente, Traplev, Raquel e eu, fazemos desta extensão, uma forma visivel de uma comunidade (a artística, para cada um), sobre os efeitos de pressão. Mas sem dúvida a extensão não é somente geográfica, material, textual o assimétrica, é sim, onde a visualidade precária de calculadoras feitas de cartao e papéis recortados de cores, textos escritos a mão ou ainda de máquina de escrever, em um jogo semantico absurdo através de gráficos de escritórios e burocracias administradas (até as pedras do rio Rhein sao sujeitadas a elásticos), se voltam em uma narrativa imaginada e a poesia uma forma de afirmacao, como uma estética crítica ao “excesso”. Em um território onde os regimes de visibilidade repetidos explicão a hipótese do biopoder e os comportamentos de consumo dos sujeitos, Traplev e Stolf, devolvem ligeiramente o efeito que a pressão exerce na sensibilidade para falar da vida em diversas comunidades em uma extensão deslocada. A extensão que alcançam para evitar a anestesia, a hipertrofia, é uma distancia comum que não volta imediatamente ao consumo, ainda mais quando está apresentado em algo que conhecemos como processos e práticas artísticas.

Buenos Aires, März 2009.

Na filosofia de Ranciére o desacordo nao é a diferenca entre opostos sim a aparente compreensao comum sobre algo, ainda que os falantes entendam por isso algo distinto entre si. Ver Jacques Ranciére, El desacuerdo, Política y Filosofia, Buenos Aires, Nueva Visión,1996, pág 8.
Traplev é o nome que Roberto Moreira Junior utiliza para publicar alguns de seus projetos artísticos.